{"id":3064,"date":"2019-03-19T12:49:29","date_gmt":"2019-03-19T11:49:29","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/dav\/?p=3064"},"modified":"2021-01-20T13:51:40","modified_gmt":"2021-01-20T12:51:40","slug":"die-berge-und-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/die-berge-und-wir\/","title":{"rendered":"Die Berge und wir"},"content":{"rendered":"<div class=\"teaser\">\n  <p>Raus aus dem Hamsterrad, sich ber\u00fchren, sich \u00fcberw\u00e4ltigen lassen, offline sein \u2013 danach sehnen sich immer mehr Menschen und erf\u00fcllen diese Bed\u00fcrfnisse in den Bergen. Die Bergfaszination ist in den vergangenen Jahrzehnten stets gewachsen. Heute ist sie ein gesamtgesellschaftliches Ph\u00e4nomen und ein Erfolgsthema in den Sozialen Medien. Den Alpenverein stellt das vor neue Herausforderungen.  <\/p>\n    <div class=\"icon artikel\"><\/div>\n                  <\/div>\n\n\n<p>\u00dcber 150 Jahre besteht der Deutsche Alpenverein \u2013 und die Faszination \u201eBerg\u201c ist immer noch ungebrochen. Sie w\u00e4chst weiter. Immer mehr Menschen entdecken ihre Liebe zu den Bergen, egal ob sie in oder nahe der Alpen geboren sind oder aus dem Flachland kommen. Studien, wie zum Beispiel vom deutschen Wanderverband, zeigen: Ist Bergliebe einmal entfacht, h\u00e4lt sie f\u00fcr immer. Bergmenschen bleiben den Bergen treu wie in einer guten Beziehung. Was sie in \u201eihren\u201c Bergen suchen und im besten Falle auch finden, ist sehr unterschiedlich: Erholung in einer urspr\u00fcnglichen und romantischen Natur, einen Perspektivwechsel und Klarheit im Kopf, einen Spielplatz f\u00fcr den schnellen Adrenalinkick, ein Trainingsgel\u00e4nde zur Selbstoptimierung oder eine Herausforderung, um \u00fcber sich selbst hinauszuwachsen. Dem modernen Menschen bieten die Berge wortw\u00f6rtlich einen felsenfesten Gegenpol zum schnelllebigen Alltag, best\u00e4ndigen Fels statt verg\u00e4nglicher Technik und echte Erlebnisse statt digitalem Konsum. Manchen geht es ganz einfach um Fernsicht und Kaiserschmarrn, anderen \u2013 ganz gro\u00df \u2013 um die Freiheit. <\/p>\n\n\n<div class=\"highlight-block grid\">\n  <div class=\"col-3_sm-2\">\n    <div class=\"icon-wrapper left\">\n      <i class=\"icon Zitat\"><\/i>\n    <\/div>\n  <\/div>\n  <div class=\"col-9_sm-10 body\">\n    <p><\/p>\n    <p>\u201eDie Gr\u00fcnde, aus welchen diese Alpenfahrer die Gipfel erst\u00fcrmen, sind verschieden. [\u2026] Die einen suchen [\u2026] das Sch\u00f6ne und Erhabene, die anderen die Gefahr und eine dritte Gruppe sucht Ruhm. Dazu kommt noch ein vierter Grund, n\u00e4mlich das Bestreben, Anderen zur Befriedigung gleichen Dranges zu verhelfen, neue Wege und Stege zu erkunden.\u201c Max Haushofer (Zeitschrift des DAV, 1870\/71)<\/p>\n  <\/div>\n<\/div>\n\n\n\n\n<h2><strong>Der Wandel des Alpenvereins<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Was Max Haushofer schon 1870 schrieb, gilt heute noch, auch wenn sich  die Interessen der \u201eAlpenfahrer\u201c und damit der Vereinszweck des DAV im  Laufe der Geschichte wandelten: <a href=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/vor-150-jahren-darum-wurde-der-alpenverein-gegruendet\/\">Waren die Vereinsgr\u00fcnder noch an der Erforschung und touristischen Erschlie\u00dfung der Alpen<\/a>  interessiert, fingen die Mitglieder eine Generation sp\u00e4ter an, die  k\u00f6rperliche Bet\u00e4tigung und die bergsteigerische Leistung in den  Vordergrund zu stellen. Vor dem Hintergrund von politischem Engagement,  weltweitem Austausch und Studentenbewegungen <a href=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/dav-und-sportklettern-bei-den-olympischen-spielen\/\">eroberte das Sportklettern in den 1970er Jahren<\/a> die Felsw\u00e4nde der Alpen und den DAV \u2013 und damit immer mehr das  Interesse der breiten \u00d6ffentlichkeit. In den letzten Jahren \u2013 passend zum  Zeitgeist der Selbstoptimierung und Vergleichbarkeit \u2013 wurde der  Bergsport in Wettk\u00e4mpfe gepackt und erreichte durch die Medien eine  breite Zielgruppe. Naturschutz war f\u00fcr die Alpenvereinsmitglieder fast  von Beginn an ein wichtiges Thema, angesichts von <a href=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/naturschutz-im-dav-vom-edelweiss-zum-alpenplan\/\">Erschlie\u00dfungsdruck und Klimawandel r\u00fcckte er immer weiter nach oben in der Alpenvereins-Agenda<\/a>.  Von einem Verein, der die Bereisung der Alpen erleichtern wollte, wurde  der DAV im Laufe seiner Geschichte zu einem Verein, der zwischen den  Polen Sport und Naturschutz pendelt und sich dazwischen ab und an auch  aufreibt. Er tr\u00e4gt einen Anteil daran, dass die Faszination Berge  w\u00e4chst: Immer mehr Menschen h\u00f6ren den sprichw\u00f6rtlichen Ruf und sind mit  dem Virus infiziert. Immer mehr Bergs\u00fcchtige gehen immer h\u00e4ufiger in die  Berge.  <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4978\" width=\"242\" height=\"76\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x.png 510w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-300x94.png 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-447x140.png 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-500x160.png 500w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-180x56.png 180w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-360x113.png 360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-214x67.png 214w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-428x134.png 428w\" sizes=\"(max-width: 242px) 100vw, 242px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2>Podcast von Deutschlandfunk Nova: &#8222;Die Faszination Berge zu besteigen&#8220; mit dem Soziologen Hartmut Rosa<\/h2>\n\n\n\n<iframe loading=\"lazy\" allowtransparency=\"true\" allow=\"encrypted-media\" src=\"https:\/\/srv.deutschlandradio.de\/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=747763\" width=\"100%\" height=\"232\" frameborder=\"0\"><\/iframe>\n\n\n\n<h2><strong>Die Berge haben die Stadt erobert<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Umgekehrt haben wir uns die Berge aber auch in die St\u00e4dte geholt: als Fotokalender an unsere K\u00fcchenw\u00e4nde, als Alpenkrimi ins B\u00fccherregal, als Bergdoktor ins Fernsehprogramm, als Playmobil-Almh\u00fctte ins Kinderzimmer, als Biathlonwettbewerb ins Fu\u00dfballstadion, als ausrangierte Gondel auf den Weihnachtsmarkt, als Alpen-Burger ins Restaurant oder als Bergbauernmilch in den Supermarkt. Die Liste lie\u00dfe sich beliebig fortsetzen. Die Berge sind nicht nur beliebtes Reiseziel und Ausflugsort f\u00fcrs Wochenende, sondern heute vor allem Lifestyle-Accessoire im Alltag geworden. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/vor-150-jahren-darum-wurde-der-alpenverein-gegruendet\/\"  rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\">150 Jahre nach Gr\u00fcndung des Deutschen Alpenvereins<\/a>  sind die Berge so vom fernen und schwer erreichbaren Interessensgebiet  einer privilegierten Elite zu einem gesamtgesellschaftlichen Ph\u00e4nomen  geworden, das alle Lebensbereiche durchdringt. Trotz oder vielleicht  sogar gerade wegen ihrer Erschlie\u00dfung, <a href=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/vor-150-jahren-darum-wurde-der-alpenverein-gegruendet\/\"  rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\">zu deren Zweck der Alpenverein 1869 vor allem gegr\u00fcndet wurde<\/a>, haben sie nichts an ihrem Reiz eingeb\u00fc\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"150 Jahre Deutscher Alpenverein\" width=\"1440\" height=\"810\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6KA31RvWOag?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h2><strong>Der Berg als Instagram-Motiv <\/strong> <\/h2>\n\n\n\n<p>Die Sozialen Medien, allen voran Instagram, haben den Trend \u201eBerg\u201c beschleunigt. 80 Prozent der 12- bis 35-J\u00e4hrigen weltweit nutzen die Plattform regelm\u00e4\u00dfig. Mit neun Millionen geteilten Fotos t\u00e4glich ist die App ein wichtiges Trendbarometer der Gegenwart. Fast die ganze Welt ist dort vertreten \u2013 vom Papst \u00fcber Angela Merkel bis zum Deutschen Alpenverein selbst. Berge sind eines der beliebtesten Motive auf Instagram: Sie werden als m\u00e4rchenhaft stilisierte Sehnsuchtsorte millionenfach gepostet, geliked, kommentiert und weiterverbreitet. Hashtags wie #hiking oder #mountainlove z\u00e4hlen heute zu den popul\u00e4rsten der Plattform: Alleine mit dem letztgenannten wurden bis heute 1,4 Millionen Posts versehen und es werden t\u00e4glich mehr. <\/p>\n\n\n<div class=\"highlight-block grid\">\n  <div class=\"col-3_sm-2\">\n    <div class=\"icon-wrapper left\">\n      <i class=\"icon Zitat\"><\/i>\n    <\/div>\n  <\/div>\n  <div class=\"col-9_sm-10 body\">\n    <p><\/p>\n    <p>\u201eOn top of the mountains where everything makes sense\u2026 What mountain peak is the next one on your to-do-list?\u201c  www.instagram.com\/deutscheralpenverein <\/p>\n  <\/div>\n<\/div>\n\n\n\n\n<p>Es sind Bilder von klaren Bergseen, in denen sich die umstehenden H\u00e4nge spiegeln; Bilder von Felsgraten, die aus dem Nebel ragen; Bilder von weiten Bergpanoramen, in romantisches Abendrot getaucht, ein Boot, ein Weg, der am Horizont verschwindet. Die Bilder laden dazu ein, sich wegzutr\u00e4umen, in eine Welt, die einfach und in Ordnung ist und nach klaren Regeln funktioniert: oben ist oben und unten ist unten. Sie erz\u00e4hlen von wunderbaren Ausfl\u00fcgen in die Wildnis, von der Begegnung mit einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Natur, von einer meditativen Auszeit fernab des st\u00e4dtischen Trubels, von Orten, an denen die Zeit stillzustehen scheint. Oft zeigen sie eine Figur von hinten, die zum Horizont blickt und es braucht nicht viel, dass ihr Blick zu dem des Betrachters wird: Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, jetzt von diesem Gipfel aus ins Tal zu blicken?   <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-instagram aligncenter wp-block-embed is-type-rich is-provider-instagram\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.instagram.com\/p\/BSt0-YNgL0j\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h2><strong>Bergmotive \u2013 damals und heute<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dahinter\nsteckt ein visuelles Erfolgsrezept, das viel \u00e4lter ist als das\nInternet, sogar \u00e4lter als die Fotografie. Der Greifswalder Maler\nCaspar David Friedrich ist mit seinem 1818 entstandenen Bild\n\u201eWanderer \u00fcber Nebelmeer\u201c einer der bekanntesten Vertreter eines\nsolchen romantischen Blicks auf die Natur. In dem Gem\u00e4lde spiegelt\nsich der Geist der deutschen Romantik und der gesellschaftliche\nWandel um die Jahrhundertwende: Der b\u00fcrgerliche Wanderer tritt der\nWelt gegen\u00fcber \u2013 den Blick in die Ferne, scheinbar in eine\nselbstbestimmte Zukunft gerichtet. \n<\/p>\n\n\n<div class=\"grad7-galerie gutter\">\n<div class=\"images gutter align-center g7-grid-2 g7-grid-xs-1\">\n                                                                <div class=\"item\"><img class=\"image 2_1\" src=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946.jpg\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946.jpg 8268w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-300x209.jpg 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-768x535.jpg 768w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-1024x714.jpg 1024w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-447x312.jpg 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-894x623.jpg 894w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-1341x935.jpg 1341w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-680x474.jpg 680w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-1360x948.jpg 1360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-180x125.jpg 180w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-360x251.jpg 360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-540x376.jpg 540w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-214x149.jpg 214w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-428x298.jpg 428w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-642x447.jpg 642w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/h_00094946-1200x836.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width:600px) 550px, (max-width:930px) 375px, 465px\"><\/div>\n  \n    \n    \n    \n<\/div>\n<div class=\"subline center image-caption\">Der Wanderer \u00fcber dem Nebelmeer, Gem\u00e4lde von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1818. Hamburger Kunsthalle. Foto: Elke Walford<\/div>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Wanderer kehrt nun millionenfach und in endloser Wiederholung auf Instagram wieder: Die Posts wirken so gleichf\u00f6rmig wie Abziehbilder. Dabei k\u00f6nnte die Plattform eigentlich ein Mehr an Individualit\u00e4t und Authentizit\u00e4t erm\u00f6glichen. Denn es ist zumindest in der Theorie jedem \u00fcberall auf der Welt m\u00f6glich, mit einem ganz pers\u00f6nlichen Schnappschuss ein Milliarden-Publikum zu erreichen \u2013 ganz demokratisch, ganz ohne Fotografieausbildung, Journalismusstudium und ohne die einschr\u00e4nkenden Abnahmeinstanzen eines konventionellen Mediums zu durchschreiten. Doch die Algorithmen der Plattform bewerten nicht gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Individualit\u00e4t und Echtheit als Erfolg und sp\u00fclen diese Posts in den Timelines nach oben, sondern das, was der Masse gef\u00e4llt \u2013 den kleinsten gemeinsamen Nenner, die stupide Wiederholung immer gleicher, gesch\u00f6nter und unrealistischer Erfolgskonzepte. So dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, dass es gerade in den erfolgreichen und von zehntausenden mit Herzen bedachten Bergposts nicht um Authentizit\u00e4t geht, sondern der Berg zur blo\u00dfen Kulisse verkommt.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-instagram aligncenter wp-block-embed is-type-rich is-provider-instagram\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.instagram.com\/p\/BN2BpVlgY4B\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h2><strong>Instagram erschuf Trendberge<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eInspiration\u201c ist ein gro\u00dfes Wort auf Instagram und die Inspiration wirkt: Nicht nur im Sinne des Nachknipsens immer gleicher Bilder, auch im Sinne des Nachreisens und Nachbesteigens. Die Foto-App wurde nicht nur zur Werbemaschine f\u00fcr alle m\u00f6glichen Produkte und Dienstleistungen, sondern hat auch globale Trendorte und Trendberge geschaffen. In der Folge mussten solche Trendberge einem unglaublichen Ansturm digital versierter Bergfans standhalten. Erste negative Auswirkungen auf die Natur zeigten sich in den vergangenen Jahren an Orten weltweit, vom Yosemite bis Neuseeland, Finnland bis \u00d6sterreich. Am Schrecksee beispielsweise, idyllisch gelegen auf 1.813 Metern in den Allg\u00e4uer Alpen mitten im Naturschutzgebiet, f\u00fchrte ein sich rasch verbreitender Instagram-Post eines Wildcampers im Juli 2016 zum massenhaften Andrang Gleichgesinnter. Bald s\u00e4umten den See an Wochenenden t\u00e4glich bis zu 30 Zelte. Es ging laut zu, M\u00fcll wurde einfach liegen gelassen und Weidez\u00e4une verfeuert.  <\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Die Sozialen Medien als Chance?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In unserer digitalen Gesellschaft, die sich nun mal \u00fcber Soziale Medien informiert und dar\u00fcber kommuniziert, ist der Trend nicht umzukehren. Tausende Menschen tragen durch ihre Posts Ausschnitte ihrer vermeintlichen Bergrealit\u00e4t in den Alltag einer breiten Masse. Ein Fakt, den man \u2013 neben aller Kritik und allen negativen Folgen \u2013 aber durchaus auch als Chance begreifen kann: Denn l\u00e4ngst hat sich in den Sozialen Medien eine Community formiert, die die Plattform und ihre Funktionsweise kritisch hinterfragt. Neben Feeds, die uns das immer gleiche gesch\u00f6nte Ideal vorgaukeln, finden sich auch <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/la_amenda\/?hl=de\" >Instagrammer, die f\u00fcr den Bergsport wichtige Themen transportieren<\/a>. Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und Minimalismus. So hat sich zum Beispiel das Outdoor Blogger Network gegr\u00fcndet, <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.outdoorbloggercodex.com\/\" >das sich in seinem Kodex unter anderem zu Authentizit\u00e4t und Transparenz verpflichtet.<\/a> <\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Der Alpenverein und die Sozialen Medien<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im bewussten Umgang mit den Sozialen Medien liegt auch f\u00fcr den Deutschen Alpenverein ihr Potenzial. Der Instagram-Kanal des Alpenvereins zeigt die Berge in sehr unterschiedlichen Facetten: als Lebensraum f\u00fcr Menschen und Tiere, als sch\u00fctzenswerte Ressource, als Ort f\u00fcr gemeinschaftliche Unternehmungen, mit allen M\u00fchen und Gefahren, aber auch in ihrer Sch\u00f6nheit. Die aktuelle, <a href=\"https:\/\/www.unsere-alpen.org\/\"  rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\">internationale Kampagne #UnsereAlpen der drei Alpenvereine (DAV, \u00d6AV, SAC) <\/a>zum Beispiel macht vor allem \u00fcber Instagram und Facebook auf die durch Erschlie\u00dfung und Zerst\u00f6rung bedrohte Sch\u00f6nheit und Urspr\u00fcnglichkeit der Alpen aufmerksam. In k\u00fcrzester Zeit hat sich die Community in diesem Zusammenhang mit 4.500 Posts unter dem Hashtag #UnsereAlpen f\u00fcr den Naturschutz stark gemacht und die Forderungen des DAV an die Europapolitik unterst\u00fctzt. Unter dem Hashtag #dankealpenplan formierte sich die Bergsteigercommunity bereits 2015 f\u00fcr den Erhalt des Alpenplans und gegen die bauliche Erschlie\u00dfung des Riedberger Horns. Mit gro\u00dfem Erfolg: Am 30. April 2019 beschloss das Bayerische Kabinett den Alpenplan wieder in Kraft zu setzen.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-instagram aligncenter wp-block-embed is-type-rich is-provider-instagram\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.instagram.com\/p\/ByPsIGFAGwO\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p> Die Sozialen Medien verhindern sicherlich bisweilen durch romantisierte Instagram-Fotografien den Blick darauf, was in den Bergen wirklich vonstattengeht. Doch sie bieten genauso die Chance, die wachsende Zahl &#8222;Bergs\u00fcchtiger&#8220; eben darauf aufmerksam zu machen. So kann Instagram nicht nur zum Besteigen der immer gleichen Trendberge inspirieren, sondern auch zu einem nachhaltigen und klimafreundlichen Berggenuss. Der Alpenverein ist sich seiner medialen Verantwortung angesichts des wissenschaftlich immer wieder best\u00e4tigten Megatrends \u201eBerg\u201c bewusst. Er hat in den neuen Kommunikationskan\u00e4len Position bezogen und sich f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/und-in-zukunft-in-150-jahren\/\">Herausforderungen der Zukunft in Stellung gebracht<\/a>.   <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4978\" width=\"243\" height=\"76\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x.png 510w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-300x94.png 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-447x140.png 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-180x56.png 180w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-360x113.png 360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-214x67.png 214w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/icon_cloud-copy@2x-428x134.png 428w\" sizes=\"(max-width: 243px) 100vw, 243px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2>Die Berge und ich &#8211; Dokumentation Bayerischer Rundfunk<\/h2>\n\n\n\n<p>Sind die Berge f\u00fcr mich nur Instagram-Kulisse? Oder Sportplatz? Woher kommt meine Bergliebe \u2013 und die meiner Freunde? Wie nachhaltig ist meine Bergsehnsucht? Bergkind \u2013 und Instagrammerin \u2013 Katharina Kestler erz\u00e4hlt ihre ganz pers\u00f6nliche Geschichte der gro\u00dfen Berg-Leidenschaft und versucht zu ergr\u00fcnden, warum die, die &#8222;den Ruf h\u00f6ren&#8220; sich den Bergen nicht entziehen k\u00f6nnen. Sie geht mit Frauen der Bergcommunity Munich Mountain Girls an der Kampenwand mountainbiken, probiert sich an der Baumgartenschneid im Trailrunning mit Marlen Franke und wandert mit ihren Eltern auf den Spuren der Vergangenheit am Seekarkreuz.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Katharina Kestler, 2019.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"width:100%;padding-top:56.25%;position:relative;background:#000;\"><iframe allowfullscreen=\"\" style=\"position:absolute;left:0;right:0;bottom:0;top:0;border:0;height:100%;width:100%;\" src=\"https:\/\/www.br.de\/mediathek\/video\/bayern-erleben-heimat-doku-die-berge-und-ich-av:5d9b638a0dfe33001a3d5cd9\"><\/iframe><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"block-source\">\n  <h5 class=\"h5 dim\">Mehr zum Thema: <\/h5>\n  <p class=\"h5 dim\">Daniel Habit: Urbane Alpen \u2013 Alpine Urbanit\u00e4ten. Zur Ausweitung der Berge und des Bergsports im st\u00e4dtischen Raum, in: DAV (Hrsg.): Die Berge und wir. 150 Jahre Deutscher Alpenverein, M\u00fcnchen 2019<br>\nKatrin Kaschadt: Die Wiederverzauberung der Welt. Bergfotografie auf Instagram, in: DAV (Hrsg.): Die Berge und wir. 150 Jahre Deutscher Alpenverein, M\u00fcnchen 2019<br><\/p>\n<\/div>\n\n<div class=\"link-teaser\">\n  <div class=\"container\">\n      <a class=\"no-hover\" href=\"https:\/\/www.dav-shop.de\/productdetails.aspx?id=10000735&#038;itemno=9JU094\"  rel=\"noopener\">\n        <div class=\"table-wrapper grid\">\n          <div class=\"col-2_sm-2\">\n            <div class=\"icon-wrapper\">\n              <i class=\"icon book\"><\/i>\n            <\/div>\n          <\/div>\n          <div class=\"col-10_sm-10\">\n          <h4 class=\"title\">Noch mehr zur Geschichte gibt es im Buch \u201eDie Berge und wir. 150 Jahre Deutscher Alpenverein\u201c<\/h4>\n          <div class=\"text\">Zu finden unter anderem im Online-Shop des DAV<i class=\"icon chevron small\"><\/i><\/div>\n          <\/div>\n        <\/div>\n      <\/a>\n  <\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-2-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\">\n<p><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\">\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber 150 Jahre besteht der Deutsche Alpenverein \u2013 und die Faszination \u201eBerg\u201c ist immer noch ungebrochen. Sie w\u00e4chst weiter. Immer mehr Menschen entdecken ihre Liebe zu den Bergen, egal ob sie in oder nahe der Alpen geboren sind oder aus dem Flachland kommen. Studien, wie zum Beispiel vom deutschen Wanderverband, zeigen: Ist Bergliebe einmal entfacht, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5023,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,2],"tags":[33,36],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3064"}],"collection":[{"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3064"}],"version-history":[{"count":56,"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3064\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6828,"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3064\/revisions\/6828"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5023"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}