{"id":6848,"date":"2024-01-25T11:47:03","date_gmt":"2024-01-25T10:47:03","guid":{"rendered":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/?p=6848"},"modified":"2024-02-14T11:54:59","modified_gmt":"2024-02-14T10:54:59","slug":"die-uns-umgebenden-unsichtbaren-aber-um-so-mehr-fuehlbaren-ghettomauern-antisemitismus-im-alpenverein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/die-uns-umgebenden-unsichtbaren-aber-um-so-mehr-fuehlbaren-ghettomauern-antisemitismus-im-alpenverein\/","title":{"rendered":"\u201eDie uns umgebenden, unsichtbaren, aber um so mehr f\u00fchlbaren Ghettomauern.\u201c Antisemitismus im Alpenverein"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Text: Friederike Kaiser, Max Wagner<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Januar 1925 erhielt die Alpenvereinssektion M\u00fcnchen ein Schreiben, in dem 83 M\u00fcnchner*innen ihren Austritt erkl\u00e4rten. Darunter befanden sich so prominente Personen wie Dr. Leo Baerwald, Rabbiner der M\u00fcnchner Hauptsynagoge, und mehrere Mitglieder der Familie Feuchtwanger. Dem vorangegangen war die Praxis des Sektionsvorstandes, keine J\u00fcdinnen*Juden mehr in die Sektion aufzunehmen.<a href=\"#_edn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> In der Sektion Rheinland-K\u00f6ln war schon 1921 zehn Anw\u00e4rtern j\u00fcdischer Herkunft die Aufnahme verweigert worden.<a href=\"#_edn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> In Hamburg und Berlin f\u00fchrte die Frage um das Abstimmungsverhalten der Sektionsvorst\u00e4nde in der sogenannten Donaulandfrage, dem Ausschluss der vorwiegend aus j\u00fcdischen Mitgliedern bestehenden Sektion Donauland aus dem Alpenverein im Dezember 1924, zu tumultartigen Sitzungen. In beiden Sektionen trat eine gro\u00dfe Anzahl von Mitgliedern aus, darunter in Hamburg der B\u00fcrgermeister Dr. Carl Wilhelm Petersen.<a href=\"#_edn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Was war passiert? Wieso kam es im Deutschen Alpenverein schon lange vor der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten zur Ausgrenzung von J\u00fcdinnen*Juden? Die Geschichte dazu wurde in den letzten 15 Jahren von verschiedenen Seiten untersucht. Wir m\u00f6chten in diesem Aufsatz jedoch insbesondere der Frage nachgehen, welche Zusammenh\u00e4nge sich erkennen lassen und weshalb sie im Alpenverein so ausgepr\u00e4gt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Gr\u00fcndung des Deutschen Alpenvereins im Jahr 1869 waren J\u00fcdinnen*Juden in vielen Sektionen Mitglieder. Der Alpenverein wollte \u201ealle Verehrer der erhabenen Alpenwelt in sich vereinigen\u201c.<a href=\"#_edn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Bereits im Gr\u00fcndungsjahr trat beispielsweise der j\u00fcdische Notar Dr. Ignaz Ortenau (1830\u20131883), Rechtsberater des sp\u00e4teren Prinzregenten Luitpold, in die Sektion M\u00fcnchen ein.<a href=\"#_edn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Ab 1867 waren J\u00fcdinnen*Juden mit Angeh\u00f6rigen anderer Religionsgemeinschaften in der Doppelmonarchie \u00d6sterreich-Ungarn gleichgestellt. Das Deutsche Reich zog 1871 mit dem Inkrafttreten seiner neuen Verfassung nach. Schon in den Jahrzehnten zuvor hatte sich das Zusammenkommen, unter anderem durch die Mitgliedschaft in Vereinen, intensiviert.<a href=\"#_edn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ab Ende der 1870er-Jahre zeichnete sich jedoch ein neuer Antisemitismus in der Gesellschaft ab. Personen wie der politisch wirksame Berliner Hofprediger Adolf Stoecker und der in Hamburg lebende Publizist Wilhelm Marr verkn\u00fcpften ihren Kampf um eine deutschnationale Ausrichtung, gegen Liberalismus und den modernen Kapitalismus mit dem Judentum. In \u00d6sterreich verbreitete Georg von Sch\u00f6nerer mit der deutschnationalen Bewegung der Alldeutschen eine \u00e4hnliche Ideologie. Insbesondere unter Student*innen fand dieser neue Antisemitismus gro\u00dfe Resonanz.<a href=\"#_edn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Im Alpenverein schlug sich dies ab den 1890er-Jahren nieder. Sektionen beantragten, in ihren Satzungen \u201eArierparagraphen\u201c \u2013 also den rechtlich verbindlichen Ausschluss von J\u00fcdinnen*Juden \u2013 einzuf\u00fchren. Insbesondere in den akademischen Sektionen waren nationalistische, antisemitische und v\u00f6lkische Ideen verbreitet. 1891 wollte sich die Akademische Sektion Graz als erste Sektion mit einem \u201eArierparagraphen\u201c gr\u00fcnden. Als deutsche Sektionen folgten, soweit bekannt, 1899 die Sektion Mark Brandenburg und 1910 die Akademische Sektion M\u00fcnchen. Die Gremien des Alpenvereins, die \u00fcber die Satzungen zu befinden hatten, genehmigten \u201eArierparagraphen\u201c in der Regel jedoch nicht, da sie als politisch und damit vereinssch\u00e4dlich galten.<a href=\"#_edn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Positionen v\u00f6lkischer Ideologie verbreiteten sich insbesondere in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg dennoch rasant. So zu erkennen in einem Antrag an die Hauptversammlung im Jahr 1913: Die Publikationen des Alpenvereins sollten in einem symbolischen Bekenntnis zum Deutschtum zuk\u00fcnftig in deutschen Lettern, der Fraktur, gedruckt werden. Mit zwei zu einem Drittel der Delegierten wurde der Antrag \u2013 noch \u2013 abgelehnt.<a href=\"#_edn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Beginn des Ersten Weltkriegs und sp\u00e4ter die deutsche und \u00f6sterreichische Niederlage sorgten im Alpenverein f\u00fcr eine ver\u00e4nderte Stimmung. Mit Beginn des Krieges stellte er die Vereinspublikationen auf Fraktur um. Und auf der ersten Nachkriegssitzung des Hauptausschusses im Oktober 1919 kam der \u201eArierparagraph\u201c in den Sektionssatzungen erneut auf die Tagesordnung. Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses pl\u00e4dierte f\u00fcr eine Abschaffung des Verbots mit dem Argument: \u201eDie antisemitische Bewegung sei nun einmal da, st\u00e4rker als je, und diese Bewegung w\u00fcrde auch im Alpenverein immer mehr in Erscheinung treten.\u201c<a href=\"#_edn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Der Erste Vorsitzende des Alpenvereins, Reinhold von Sydow, sprach sich \u2013 wenngleich selbst antisemitische Positionen vertretend<a href=\"#_edn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> \u2013, zwar deutlich gegen die Abschaffung des Verbots aus, doch im Mai 1920 hob der Hauptausschuss es \u201emit \u00fcberwiegender Stimmenmehrheit\u201c auf.<a href=\"#_edn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere in Wien hatte dies fatale Folgen. Hier hatte sich der Antisemitismus nach dem Zusammenbruch der \u00f6sterreichisch-ungarischen Doppelmonarchie stark ausgebreitet. Mithilfe einzelner Agitatoren, unter anderem Walter Riehl, dem f\u00fchrenden Politiker der \u00f6sterreichischen Nationalsozialisten, der sich die \u201eReinigung der Touristenvereine\u201c auf die Fahne geschrieben hatte, w\u00e4hlte die Sektion Austria im Februar 1921 einen v\u00f6lkischen Vorstand mit dem Antisemiten Eduard Pichl an der Spitze. Alle anderen Wiener Sektionen waren zu diesem Zeitpunkt bereits antisemitisch ausgerichtet. J\u00fcdinnen*Juden sowie diejenigen, die die neue Ausrichtung der Vereine verurteilten, traten aus. Eine gro\u00dfe Zahl von ihnen sammelte sich zur Gr\u00fcndung einer neuen Sektion und stellten im M\u00e4rz den Antrag, als Sektion Donauland in den Alpenverein aufgenommen zu werden.<a href=\"#_edn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Verbandsebene des Alpenvereins war damit die Frage zur\u00fcck, wie sich der Verein zum Ausschluss von J\u00fcdinnen*Juden stellte. Schon das Aufnahmeansuchen f\u00fchrte zu Auseinandersetzungen. \u00dcber drei\u00dfig \u00f6sterreichische Sektionen sowie der M\u00fcnchner Ortsausschuss, die Vertretung der M\u00fcnchner Sektionen, protestierten. Mit einer knappen Mehrheit beschloss der Hauptausschuss trotzdem die Aufnahme. In den folgenden Jahren setzte sich die antisemitische Agitation fort. Rund zwanzig Sektionen, vor allem in \u00d6sterreich, verwehrten als weiteres Druckmittel ab Sommer 1921 J\u00fcdinnen*Juden sowie Mitgliedern der Sektion Donauland den Zutritt zu ihren H\u00fctten. Trotz Verwarnungen des Verbands lie\u00dfen sie sich nicht von dieser Praxis abbringen \u2013 ein offener Satzungsbruch, der nicht sanktioniert wurde. Die Vereinsleitung suchte nach einem \u201eKompromiss\u201c. Donauland solle freiwillig austreten, die Gegner daf\u00fcr auf politische Agitation auf Verbandsebene verzichten. Schon dieser Vorschlag war ein Affront, den die Sektion Donauland ablehnte. Am 14. Dezember 1924 verabschiedete eine extra daf\u00fcr einberufene au\u00dferordentliche Hauptversammlung des Alpenvereins im Deutschen Theater in M\u00fcnchen schlie\u00dflich den Ausschluss mit 95 Prozent der Stimmen. Damit waren zwar die verbandsinternen Auseinandersetzungen beigelegt, doch die Antisemit*innen hatten die gro\u00dfe Mehrheit des Verbands auf ihre Seite gezogen und es geschafft, den Antisemitismus im Verband endg\u00fcltig zu etablieren sowie den Alpenverein nach au\u00dfen v\u00f6lkisch und antisemitisch zu positionieren.<a href=\"#_edn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"657\" src=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/1.-Hakenkreuz-Radst\u00e4dter-H\u00fctte_bearbeitet-1024x657.jpg\" alt=\"Zeitungsausriss mit Meldung \u00fcber Hakenkreuze an der Radst\u00e4dter H\u00fctte, mit handschriftlichem Kommentar eines Hauptausschuss-Mitglieds des Alpenvereins.\" class=\"wp-image-6577\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/1.-Hakenkreuz-Radst\u00e4dter-H\u00fctte_bearbeitet-1024x657.jpg 1024w, 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judenreine Alpenverein\u201c, Karikatur von Paul Humpoletz.\" class=\"wp-image-6866\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2.-Alpenvereinsesel-edited.jpg 1176w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2.-Alpenvereinsesel-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2.-Alpenvereinsesel-edited-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2.-Alpenvereinsesel-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2.-Alpenvereinsesel-edited-768x768.jpg 768w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2.-Alpenvereinsesel-edited-447x447.jpg 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2.-Alpenvereinsesel-edited-894x894.jpg 894w, 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Aus: Der G\u00f6tz von Berlichingen, Nr. 51, 1924. \u00d6sterreichischer Alpenverein, Archiv und Museum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kommentar in der Zeitung <em>Das J\u00fcdische Echo<\/em> gibt die Bedeutung der Entscheidung f\u00fcr die Ausgeschlossenen wieder: \u201eDas schlimmste ist nicht, da\u00df die Juden aus dem Alpenverein hinausgedr\u00e4ngt werden. Wir sehen, da\u00df unter der fortschreitenden Vergiftung der \u201aV\u00f6lker deutscher Zunge\u2018 durch die Judenhetze unser Lebenskreis, die uns umgebenden unsichtbaren, aber um so mehr f\u00fchlbaren Ghettomauern uns immer enger einschlie\u00dfen.\u201c<a href=\"#_edn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In der Folge bildeten sich in Berlin und M\u00fcnchen zus\u00e4tzlich zum Alpenverein Donauland in Wien eigenst\u00e4ndige Alpenvereine mit vorwiegend j\u00fcdischen Mitgliedern, deren Aktivit\u00e4ten sich wenig von denen einer herk\u00f6mmlichen Alpenvereinssektion unterschieden. Gemeinsame Ausfl\u00fcge, Vortragsabende, ein Publikationsorgan und der H\u00fcttenbau geh\u00f6rten dazu.<a href=\"#_edn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Die eingangs erw\u00e4hnten Sektionen in K\u00f6ln und Hamburg hatten sich gegen die Einf\u00fchrung von \u201eArierparagraphen\u201c entschieden, die Hamburger sogar einen Juden in ihren Aufnahmeausschuss gew\u00e4hlt, doch J\u00fcdinnen*Juden traten, dies wissen wir zumindest von der K\u00f6lner Sektion, kaum noch ein.<a href=\"#_edn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"630\" src=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-1024x630.jpeg\" alt=\"Das Friesenberghaus, erbaut als H\u00fctte des Alpenvereins Berlin\" class=\"wp-image-6852\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-1024x630.jpeg 1024w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-300x184.jpeg 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-768x472.jpeg 768w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-1536x944.jpeg 1536w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-447x275.jpeg 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-894x550.jpeg 894w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-1341x824.jpeg 1341w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-680x418.jpeg 680w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-1360x836.jpeg 1360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-180x111.jpeg 180w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-360x221.jpeg 360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-540x332.jpeg 540w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-214x132.jpeg 214w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-428x263.jpeg 428w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-642x395.jpeg 642w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus-1200x738.jpeg 1200w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/3.-Friesenberghaus.jpeg 1568w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 3: Das Friesenberghaus, erbaut als H\u00fctte des Alpenvereins Berlin. Foto von Wilhelm Durand, Architekt des Friesenberghauses, September 1929. Deutscher Alpenverein, Archiv, Bibliothek und Museum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Viele deutsche Sektionen hatten in der Folge offiziell keinen Arierparagraphen. 1928 konstatierte der Anwalt Georg Franz Bergmann in der <em>Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung<\/em>: \u201eIn Oesterreich herrscht bei acht Zehnteln der Sektionen der Arierparagraph, die deutschen Sektionen nehmen in ihrer Mehrzahl wie auch vor dem Kriege Juden auf.\u201c<a href=\"#_edn18\">[18]<\/a> Allerdings praktizierten viele Sektionen, die noch keinen \u201eArierparagraphen\u201c in ihren Satzungen verabschiedet hatten, diesen \u00fcber zum Teil geheime Abstimmungen in den sektionseigenen Aufnahmeaussch\u00fcssen.<a href=\"#_edn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Warum aber bildete der Alpenverein einen so fruchtbaren N\u00e4hrboden f\u00fcr Antisemitismus und v\u00f6lkisches Denken? Grundlagen hierf\u00fcr sind im alpenvereinsspezifischen Verst\u00e4ndnis von Natur, Kultur und Gesellschaft erkennbar. Das Verst\u00e4ndnis von Natur hatte im 19. Jahrhundert eine Aufwertung erfahren, die sich in den b\u00fcrgerlichen Schichten, aus denen sich der Alpenverein bis in die 1920er-Jahre vornehmlich zusammensetzte, manifestierte. Es war quasireligi\u00f6s aufgeladen und hing eng mit der aufkommenden Moderne zusammen. Im Zuge der Aufl\u00f6sung alter Welterkl\u00e4rungsmuster wie den christlichen Religionen oder dem St\u00e4ndesystem wurde Natur nun zu einem Haltgeber, einem Ordnungs- und Wertema\u00dfstab. Natur galt als das \u201eBest\u00e4ndige\u201c, das \u201eNat\u00fcrliche\u201c und \u201eRichtige\u201c.<a href=\"#_edn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der sich ausbreitenden Industrialisierung erlangte diese Auffassung von Natur zentrale Bedeutung. Im Alpenverein wurden die Begleiterscheinungen der Industrialisierung \u2013 die Ver\u00e4nderung der Arbeitswelt und die Anforderungen an das Individuum \u2013 als Krise, und Natur als das \u201eAndere\u201c, als Kompensationsort und Gegenwelt empfunden. Natur war eine Kontrastfolie zu den Herausforderungen der Gegenwart und Bergsteigen war die Vermittlerin dieser Wahrnehmung. Die Vermittlung verlief dabei nicht rational, sondern \u00fcber das \u201eGef\u00fchl\u201c. Natur wurde emotionalisiert, die Bergsteiger*innen konnten beispielsweise einen Sonnenauf- oder -untergang f\u00fchlen. Dabei galt diese Wahrnehmung als etwas Nicht-Erkl\u00e4rbares, als etwas, das \u201ezu gro\u00df\u201c sei, um es in Worte zu fassen. Hinzu kam eine verst\u00e4rkte Betonung von \u201eWerten\u201c und \u201eIdealen\u201c seitens des B\u00fcrgertums. Diese Werte und Ideale sollten die Gesellschaft zu einer besseren machen und waren damit auf eine Zeit ausgerichtet, die noch kommen sollte. Die Orientierung auf Zukunft trug zugleich das Potenzial in sich, die Gegenwart zugunsten der Zukunft abzuwerten. Kombiniert mit dem Verst\u00e4ndnis von Natur als etwas H\u00f6herem, Idealem hatte dies enorme Auswirkungen auf das Bild der Zeit und der Gesellschaft. Das Bergsteigen bekam eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Durch die Bet\u00e4tigung in der Natur und die Auseinandersetzung mit ihr wurde es zum Heilmittel erkl\u00e4rt, das den modernen Menschen, der an den Erscheinungen der Moderne leide, kurieren k\u00f6nne. So mischte sich in das \u00fcber das Gef\u00fchl vermittelte Bild von Natur das Gef\u00fchl, in einer Zeit ohne Ideale und Werte zu leben.<a href=\"#_edn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese kulturkritische, mitunter kulturpessimistische Perspektive auf die Gegenwart war ab den 1890er-Jahren auch in der Gesellschaft weit verbreitet. Im Alpenverein radikalisierte, verfestigte und verst\u00e4rkte sich diese Perspektive. Zahllose Aufs\u00e4tze in den Alpenvereinspublikationen zeugen davon. Besonders bei den Anh\u00e4nger*innen des Bergsteigens sch\u00e4rferer Richtung galt Bergsteigen als \u201eKampf\u201c um ein nicht n\u00e4her definiertes \u201eh\u00f6heres\u201c Ziel. Bergsteigen wurde zu einer heroischen Tat stilisiert. Die Bergsteiger*innen verstanden Bergnatur dabei als Erfahrungsraum des \u201eUnendlichen, Unwandelbaren, ewig Sch\u00f6nen und Grossen\u201c<a href=\"#_edn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> und f\u00fchlten im selben Atemzug den Alltag in der Zivilisation als \u201everflachend\u201c <a href=\"#_edn23\"><sup>[23]<\/sup><\/a>, \u201edegenerierend\u201c, &nbsp;\u201everk\u00fcmmernd\u201c, &nbsp;\u201ezersetzend\u201c. Beide Perspektiven waren nun in einem einzigen Gef\u00fchl zusammengekommen. Es grenzte ab von der Gesellschaft, von der \u201eMasse\u201c, und machte die Bergsteiger*innen zu einer elit\u00e4ren \u201eGef\u00fchlsgemeinschaft\u201c <a href=\"#_edn24\"><sup>[24]<\/sup><\/a>, einer Gemeinschaft von Auserw\u00e4hlten. Das musste nicht zwangsl\u00e4ufig zu einer Losl\u00f6sung von der modernen Gesellschaft f\u00fchren und kann sicherlich nicht f\u00fcr alle Bergsteiger*innen des Alpenvereins konstatiert werden. Jedoch beinhaltete diese Auffassung erhebliches antiliberales und antisoziales Potenzial und Schnittmengen zu Elementen v\u00f6lkischer Ideologie. Die Distanz zur modernen Gesellschaft und die Suche nach Orientierungskategorien konnte zuletzt auch zu einer Hinwendung zu vermeintlich zeitlosen Gemeinschaften, beispielsweise einem \u201eVolk\u201c \u2013 nicht einer Nation \u2013, f\u00fchren.<a href=\"#_edn25\"><sup>[25]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Alpenverein verst\u00e4rkte auch das b\u00fcrgerliche Verst\u00e4ndnis von Kultur und Bildung Auspr\u00e4gungen derartiger \u201eSchattenlinien\u201c<a href=\"#_edn26\"><sup>[26]<\/sup><\/a>. Bildung bedeutete im 19. Jahrhundert die Bildung des Menschen zu einem besseren Menschen. Das Bildungsverst\u00e4ndnis war dabei ebenfalls quasireligi\u00f6s aufgeladen und zeigte sich in der Hervorhebung \u201eechter Werte\u201c.<a href=\"#_edn27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> Das Ideal des \u201eguten\u201c, \u201ewertegeleiteten\u201c Lebens war f\u00fcr viele der Mitglieder \u00fcber allem anderen angesiedelt, beispielsweise \u00fcber \u00f6konomischen Zielen. Zugleich war im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und im beginnenden 20. Jahrhundert die sp\u00fcrbare gesellschaftliche Ausrichtung an \u00f6konomischen Prinzipien auf besondere Art und Weise erkennbar geworden. In den Publikationen des Alpenvereins wurde in der Folge immer h\u00e4ufiger gegen einen aufkommenden \u201eMaterialismus\u201c gewettert. Auch diese Perspektive mischte sich in das verbreitete Bild von Gesellschaft und Natur. So bestand bereits um die Jahrhundertwende im Alpenverein die Kontrastfolie der Natur, die \u201ehohe\u201c, \u201ekulturelle\u201c Werte vermittle, in Gegnerschaft zu einer \u201eniederen\u201c, \u201ematerialistischen\u201c und \u201ekleinlichen\u201c Zivilisation und zugleich eine elit\u00e4re Gef\u00fchlsgemeinschaft in Gegnerschaft zu einer \u201eblinden\u201c, \u201eohne Ideale\u201c lebenden Gesellschaft. Diese Trennlinien wurden immer sch\u00e4rfer gezogen, desto mehr die Protagonist*innen mit den Widerspr\u00fcchen und Uneindeutigkeiten der Zeit konfrontiert waren.<a href=\"#_edn28\"><sup>[28]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich waren viele Mitglieder des Alpenvereins selbst handelnder, bisweilen pr\u00e4gender Teil eines auf \u00f6konomischen Gewinn ausgerichteten Systems und in gleichzeitiger Gegnerschaft zu den Konsequenzen desselben, wie beispielsweise die \u00fcberall sichtbare Armut. Dieser Widerspruch war eklatant. \u00dcber das Bildungsverst\u00e4ndnis des B\u00fcrgertums versuchten sie diesen aufzul\u00f6sen. Bildung, also die Selbstbildung zu einem besseren Menschen, war stets auch ausgerichtet auf die Entstehung einer \u201ebesseren\u201c Gesellschaft. Das bedeutete, dass die Bildung am Selbst gleichzeitig als Dienst f\u00fcr die Gesellschaft verstanden wurde. Daher musste die eigene Beteiligung am \u00f6konomischen Prinzip als Dienst an einer Gemeinschaft gedeutet werden. Zugleich waren aber die negativen Auswirkungen der \u00f6konomischen Ordnung zu erkl\u00e4ren. Das Motiv der egoistischen Gier und des Zinsgesch\u00e4fts wurden dabei zu zentralen Erkl\u00e4rungsmustern. Eine Unterscheidung \u201ezwischen einer guten, konkreten und einer schlechten [,] abstrakten Seite der Warenproduktion\u201c<a href=\"#_edn29\"><sup>[29]<\/sup><\/a> setzte sich im 19. Jahrhundert durch und wurde \u2013 ebenso wie andere Widerspr\u00fcche \u2013 ausgelagert und personifiziert. Die Figur des \u201eGeldjuden\u201c <a href=\"#_edn30\"><sup>[30]<\/sup><\/a>, die bereits seit dem Mittelalter entsprechend konnotiert war, wurde zur Projektionsfl\u00e4che. So wurden \u201edie unverstandenen Momente der neuen Gesellschaftsordnung\u201c<a href=\"#_edn31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> auf einen S\u00fcndenbock verlagert und \u201esichtbar\u201c gemacht.<a href=\"#_edn32\"><sup>[32]<\/sup><\/a> Diese Grundelemente waren auch im Alpenverein vorhanden und verbreitet. Auf ihnen konnte das antisemitische und v\u00f6lkische Denken der 1920er-Jahre aufbauen.<a href=\"#_edn33\"><sup>[33]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Niederlage Deutschlands und \u00d6sterreichs im Ersten Weltkrieg und der Krisenerfahrung in der Weimarer Republik versch\u00e4rften und radikalisierten sich diese Perspektiven. St\u00e4rkere Status- und soziale Existenzbedrohungen, ein sich weiter ausbreitendes Nebeneinander von Weltdeutungsmustern und ein gekr\u00e4nktes Nationalgef\u00fchl sorgten in der Gesellschaft wie im Alpenverein zu einer Hinwendung zum \u201eDeutschtum\u201c und einem nationalistischen bis v\u00f6lkischen Verst\u00e4ndnis von Gemeinschaft.<a href=\"#_edn34\"><sup>[34]<\/sup><\/a> Natur wurde zunehmend zur \u201edeutschen Landschaft\u201c<a href=\"#_edn35\"><sup>[35]<\/sup><\/a> stilisiert und fand entsprechenden Eingang in die bisherige Wahrnehmung der alpinen Landschaft. Der Alpenverein begriff Bergsteigen nun nicht mehr nur als Dienst an der Verbesserung einer Gesellschaft, sondern als Mittel zur \u201eGesundung und Erstarkung\u201c<a href=\"#_edn36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> eines \u201edarniederliegenden [deutschen] Volke[s]\u201c<a href=\"#_edn37\"><sup>[37]<\/sup><\/a>. Gustav M\u00fcller, v\u00f6lkischer Nationalist und Sprecher der sogenannten Bergsteigergruppe, einer in den 1920er-Jahren enorm einflussreichen Interessensgemeinschaft im Alpenverein, stellte dies in seinen allj\u00e4hrlichen Reden auf den Hauptversammlungen des DuOeAV immer wieder heraus: \u201eJa, in den Bergen thronen noch die Ideale. Dort ist Erkenntnis der Bedeutungslosigkeit des eigenen Ichs. Dort paaren sich Demut und Mut, dort straffen sich Sinn und Trachten zum unbeugsamen Willen, dort lernt sich herbes M\u00fcssen und Ausharren im Kampf, [\u2026] dort sind Seele und Kraft, dort gilt nur der Wert um seiner selbst willen, nicht die Maske, dort ist das Land des uneigenn\u00fctzigen Kampfes, dort lodert das Feuer der Liebe zur Heimat. Aus diesen Sch\u00e4tzen, Alldeutschland, hole dir Willen, Mut und Kraft zum Kampf um dein Sein, dort, Jungdeutschland, st\u00e4hle Arme, Sinne und Willen, n\u00e4hre deine Seele und schmiede deine Wehr!\u201c<a href=\"#_edn38\"><sup>[38]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcllers Reden stie\u00dfen auf immense Zustimmung, dr\u00fcckten sie doch das allgemeine Gef\u00fchl im damaligen Alpenverein aus. Bereits 1919 verabschiedete die Hauptversammlung einstimmig drei Leits\u00e4tze, deren erster lautete: \u201eEines der wichtigsten Mittel, um die sittliche Kraft des deutschen Volkes wiederherzustellen, ist der Alpinismus, und zwar in Form der bergsteigerischen Arbeit. Denn diese ist geeignet, \u00fcberaus wertvolle, haupts\u00e4chlich auf dem Gebiete des Willens liegende geistige Kr\u00e4fte zu wecken und zu st\u00e4rken und damit die Entwicklung echter deutscher Mannestugenden zu f\u00f6rdern. Die bergsteigerische Arbeit auf jede m\u00f6gliche Weise und in m\u00f6glichst ausgedehntem Ma\u00dfe zu pflegen ist daher eine besonders wichtige Aufgabe des Alpenvereins.\u201c<a href=\"#_edn39\"><sup>[39]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Kaum eine gr\u00f6\u00dfere Debatte in den 1920er-Jahren kam aus, ohne die deutschnationale Bedeutung des Gegenstands zu betonen.<a href=\"#_edn40\"><sup>[40]<\/sup><\/a> 1927 beschloss der Alpenverein eine umfassende Satzungs\u00e4nderung als Resultat aus den Diskussionen der vorangegangenen Jahre. Die Delegierten erweiterten die Ziele des Vereins um die F\u00f6rderung des Bergsteigens und das Erhalten der \u201eSch\u00f6nheit und Urspr\u00fcnglichkeit\u201c<sup><a href=\"#_edn41\">[41]<\/a> <\/sup>der Ostalpen. Doch beides sollte, laut der neuen Satzung, nicht um ihrer selbst willen geschehen, sondern um die \u201eLiebe zur deutschen Heimat zu st\u00e4rken und zu pflegen\u201c <a href=\"#_edn42\"><sup>[42]<\/sup><\/a>. Damit hatte jegliche T\u00e4tigkeit im Verein eine deutschnationale Zielrichtung bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alpenverein gab es noch einen weiteren Grund f\u00fcr die Hinwendung zum \u201eDeutschtum\u201c und die deutschnationale Aufladung von Berglandschaft und Bergsteigen, die auch dem Antisemitismus eine zus\u00e4tzliche Durchschlagskraft verlieh. Es handelt sich um die Erz\u00e4hlung der \u201egeknechteten Deutschen\u201c<sup><a href=\"#_edn43\">[43]<\/a> <\/sup>durch \u201elandfremde Geldm\u00e4chte\u201c,<sup><a href=\"#_edn44\">[44]<\/a> <\/sup>dem \u201einternationale[n] Judentum\u201c<a href=\"#_edn45\"><sup>[45]<\/sup><\/a>. Die Bedeutung dieses in der Weimarer Gesellschaft weit verbreiteten antisemitischen Ressentiments erfolgte dabei beispielsweise \u00fcber die \u201eDolchsto\u00dflegende\u201c.<a href=\"#_edn46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Im Alpenverein besa\u00df es als eines der zentralen Argumente f\u00fcr den Ausschluss der Sektion Donauland 1924 besondere Bedeutung. Die Blockbildung in \u00f6sterreichische Sektionen, die allesamt den Ausschluss der Sektion Donauland einforderten, und deutsche Sektionen, die nur zum Teil an einem Ausschluss aus antisemitischen Gr\u00fcnden Interesse hatten, sorgte im Alpenverein f\u00fcr eine drohende Aufspaltung und damit das Ende des grenz\u00fcbergreifenden, gro\u00dfdeutschen Vereinswesens. In den Diskussionen auf der au\u00dferordentlichen Hauptversammlung 1924 wurde das in der Forderung hervorgehoben, die deutschen \u201eBande\u201c<a href=\"#_edn47\"><sup>[47]<\/sup><\/a> nicht \u201ezu zerrei\u00dfen\u201c<a href=\"#_edn48\"><sup>[48]<\/sup><\/a>, und gegen die als j\u00fcdisch erachtete Sektion Donauland angef\u00fchrt. F\u00fcr die \u201eGesundung und Erstarkung des deutschen Volkes\u201c <a href=\"#_edn49\"><sup>[49]<\/sup><\/a>, zu dem nach Alpenvereinsverst\u00e4ndnis sowohl die \u00f6sterreichische wie auch die deutschsprachige Bev\u00f6lkerung S\u00fcdtirols geh\u00f6rte, galten diese \u201eBande\u201c als besonders wichtig, denn sie konnten auf andere als Vorbild f\u00fcr \u201edeutschen Zusammenhalt\u201c wirken. Da \u201eJuden\u201c seit Langem als \u201einternational\u201c betrachtet wurden, war die Frage des Zusammenhalts auch eine Frage des \u201eDeutschen\u201c gegen das \u201eFremde\u201c.<a href=\"#_edn50\"><sup>[50]<\/sup><\/a> Der m\u00f6gliche Zerfall des deutsch-\u00f6sterreichischen Alpenvereins wurde hierbei als \u201eVernichtung\u201c<a href=\"#_edn51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> des \u201eLichtblicks\u201c<a href=\"#_edn52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> derjenigen Deutschen verstanden, die au\u00dferhalb der nach dem Versailler Vertrag gezogenen Grenzen lebten.<a href=\"#_edn53\"><sup>[53]<\/sup><\/a> So durfte es kein Hindernis darstellen, f\u00fcr die gro\u00dfdeutsche Einheit eine \u201enicht-deutsche\u201c Sektion auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h2>W\u00e4hrend des Nationalsozialismus<\/h2>\n\n\n\n<p>Viele Alpenvereinssektionen begr\u00fc\u00dften das NS-Regime offiziell in ihren Vereinsberichten. Der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein behielt zun\u00e4chst seine Eigenst\u00e4ndigkeit, doch die reichsdeutschen Sektionen wurden in den Nationalsozialistischen Reichsbund f\u00fcr Leibes\u00fcbungen (NSRL) eingegliedert. Die meisten reichsdeutschen Sektionen f\u00fchrten nun \u201eArierparagraphen\u201c ein, die zumindest neu aufzunehmende Mitglieder betrafen.<a href=\"#_edn54\"><sup>[54]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich die Sektionen in Einzelf\u00e4llen verhielten und wie gro\u00df ihr Handlungsspielraum war, war h\u00f6chst unterschiedlich. Einzelne Sektionen z\u00f6gerten Vereinsaustritte, vor allem von langj\u00e4hrigen, verdienstvollen Mitgliedern, so lange wie m\u00f6glich hinaus. Dazu geh\u00f6rte beispielsweise die Sektion Freiburg, deren \u201eArierparagraph\u201c unter anderem ausdr\u00fccklich die verschonte, die bereits vor 1914 der Sektion beigetreten waren, im Krieg als Soldat gek\u00e4mpft oder dort Angeh\u00f6rige verloren hatten. Der ambitionierte Bergsteiger und Kletterer Dr. Robert Liefmann blieb so bis 1938 Mitglied der Sektion.<a href=\"#_edn55\"><sup>[55]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann.jpg\" alt=\"Karteikarte der Sektion Freiburg im Breisgau f\u00fcr ihr Mitglied Dr. Robert Liefmann. \" class=\"wp-image-6534\" width=\"804\" height=\"555\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann.jpg 900w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-300x207.jpg 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-768x531.jpg 768w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-447x309.jpg 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-894x618.jpg 894w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-680x470.jpg 680w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-180x124.jpg 180w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-360x249.jpg 360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-540x373.jpg 540w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-214x148.jpg 214w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-428x296.jpg 428w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/4.-Karteikarte-Liefmann-642x444.jpg 642w\" sizes=\"(max-width: 804px) 100vw, 804px\" \/><figcaption>Abb. 4: Karteikarte der Sektion Freiburg im Breisgau f\u00fcr ihr Mitglied Dr. Robert Liefmann. Auf der Karteikarte ist zu erkennen, dass Liefmanns Eintrittsdatum (1904) in die Sektion nachgetragen wurde. Alle Mitglieder, die vor 1914 beigetreten waren, mussten 1933 nicht ausscheiden. 1938 schloss die Sektion ihre letzten j\u00fcdischen Mitglieder, darunter Liefmann, aus. Er starb 1941 im Konzentrationslager Gurs. Archiv DAV Sektion Freiburg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-1024x681.jpg\" alt=\"Chronik der Bergsteigervereinigung \u201eMir san g\u2019stellt\u201c der Sektion N\u00fcrnberg.\" class=\"wp-image-6858\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-300x200.jpg 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-768x511.jpg 768w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-447x297.jpg 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-894x595.jpg 894w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-1341x892.jpg 1341w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-680x452.jpg 680w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-1360x905.jpg 1360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-180x120.jpg 180w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-360x240.jpg 360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-540x359.jpg 540w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-214x142.jpg 214w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-428x285.jpg 428w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-642x427.jpg 642w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5.-AM_Nu\u0308rnberg_Buch_6327-1200x798.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 5: Chronik der Bergsteigervereinigung \u201eMir san g\u2019stellt\u201c der Sektion N\u00fcrnberg. Ausschluss von Oskar K\u00fchlken am 11. Oktober 1933. \u201e[\u2026] am 11. Oktober verlie\u00df Oskar K\u00fchlken unsere Reihen, weil seine Mutter eine J\u00fcdin war, was wir bei seiner Aufnahme nicht wu\u00dften, sonst w\u00e4re sie wohl nicht erfolgt, denn MSG hielt sich von je her judenrein.\u201c Archiv DAV Sektion N\u00fcrnberg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Lehrer Dr. Otto Hess wurde bis zu seinem Unfalltod an der Ifingerspitze bei Meran im Jahr 1937 als Mitglied der Sektion Kassel gef\u00fchrt. Die Sektion forderte einen Ariernachweis nur f\u00fcr neu eintretende Mitglieder.<a href=\"#_edn56\"><sup>[56]<\/sup><\/a> Doch es gibt auch andere Beispiele. Die Sektion N\u00fcrnberg schloss den \u201eHalbjuden\u201c und sp\u00e4teren Filmemacher Oskar K\u00fchlken 1933 aus. K\u00fchlken war damals einer der besten Bergsteiger der Sektion, leitete zahlreiche Sektionskurse und war ma\u00dfgeblich an der Organisation der Bergsteiger in der Sektion beteiligt. Unter anderem hatte er regelm\u00e4\u00dfige \u201eSprechabende\u201c mit Berichten \u00fcber Bergfahrten und theoretischem Inhalt wie Steigeisennutzung und Kartenlesen ins Leben gerufen.<a href=\"#_edn57\"><sup>[57]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>1938 wurde \u00d6sterreich dem Deutschen Reich \u201eangeschlossen\u201c. Der Alpenverein wurde umgehend gleichgeschaltet und in seiner Gesamtheit dem Nationalsozialistischen Reichsbund f\u00fcr Leibes\u00fcbungen eingegliedert. Eine Mustersatzung mit \u201eArierparagraphen\u201c wurde nun f\u00fcr alle Sektionen verpflichtend. J\u00fcdinnen*Juden waren damit endg\u00fcltig aus dem Alpenverein ausgeschlossen.<a href=\"#_edn58\">[58]<\/a> Schon 1933 war der unabh\u00e4ngige Deutsche Alpenverein Berlin aufgel\u00f6st worden, nun folgte auch der Alpenverein Donauland in Wien.<\/p>\n\n\n\n<h2>Nach 1945<\/h2>\n\n\n\n<p>In den Jahren nach 1945 wurde der Antisemitismus im Alpenverein und seine Zusammenarbeit mit dem NS-Regime nicht mehr thematisiert. Man \u201e\u00fcbersprang\u201c die \u201edunkle Zeit\u201c und damit auch das Verhalten des Alpenvereins gegen\u00fcber seinen j\u00fcdischen Mitgliedern.<a href=\"#_edn59\"><sup>[59]<\/sup><\/a> Immerhin war in der Satzung des 1950 wiedergegr\u00fcndeten Deutschen Alpenvereins (DAV) ausdr\u00fccklich formuliert: Der Verein \u201elehnt Bestrebungen und Bindungen klassen- und rassentrennender sowie militaristischer Art ab\u201c.<a href=\"#_edn60\"><sup>[60]<\/sup><\/a> Doch die Reaktion auf eine Anfrage an den Verwaltungsausschuss des DAV vom November 1952, wie die \u201eDiffamierung der nicht-arischen Mitglieder wieder gut zu machen\u201c sei, weist kein Unrechtsbewusstsein, Empathie oder Sensibilit\u00e4t auf. Den Sektionen wurde lediglich empfohlen, den \u201eaus den Sektionen entfernten Mitgliedern mitzuteilen, da\u00df die Mitgliedschaft nicht als erloschen gilt, sofern sie jetzt ausdr\u00fccklich wieder aufgenommen wird; von einer Beitragsnachzahlung von 1933\/34 bis 1952 wird dann Abstand genommen\u201c.<a href=\"#_edn61\"><sup>[61]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"470\" src=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-1024x470.png\" alt=\"Empfehlung des Verwaltungsausschusses des DAV zum Umgang mit ausgeschlossenen j\u00fcdischen Mitgliedern. \" class=\"wp-image-6853\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-1024x470.png 1024w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-300x138.png 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-768x353.png 768w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-1536x705.png 1536w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-447x205.png 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-894x410.png 894w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-1341x616.png 1341w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-680x312.png 680w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-1360x624.png 1360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-180x83.png 180w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-360x165.png 360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-540x248.png 540w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-214x98.png 214w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-428x197.png 428w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-642x295.png 642w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/6.-Seiten-aus-VA_Protokolle_1_30_Sitzung_1951_1953_Woergl_1_3_Offiziell-1200x551.png 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 6: Empfehlung des Verwaltungsausschusses des DAV zum Umgang mit ausgeschlossenen j\u00fcdischen Mitgliedern. Auszug aus dem Protokoll der Sitzung vom 28.11.1952. Deutscher Alpenverein, Archiv, Bibliothek und Museum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Auf Sektionsebene existieren nur wenige Quellen, die jedoch ein \u00e4hnliches Bild zeichnen. So versuchte Paul H\u00fcbel, der sich 1947 auch gegen die Einsetzung von belasteten Personen bei der Neugr\u00fcndung des Verbands eingesetzt hatte, seine Sektion Bayerland dazu zu bewegen, j\u00fcdische und andere Mitglieder, die zwischen 1933 und 1945 ausgeschlossen worden waren, anzuschreiben und zum Wiedereintritt zu bewegen. Seinem Antrag wurde nicht stattgegeben und stattdessen ein korrigierter Text verabschiedet, der besagte, dass in gleicher Weise auch Nationalsozialisten \u2013 also die T\u00e4ter, die nach 1945 ebenfalls ausgeschlossen worden waren \u2013 der Wiedereintritt angeboten werden solle.<a href=\"#_edn62\"><sup>[62]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Noch 1967 beschloss der Dachverband, ausgerechnet <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Grassler\" >Franz Grassler<\/a> \u2013 mehrere Jahre stellvertretender Kommandant des Warschauer Ghettos \u2013 damit zu beauftragen, das Friesenberghaus und die Glorerh\u00fctte zu inspizieren; diese war im selben Jahr dem DAV von den letzten Mitgliedern des ehemaligen Alpenvereins Donauland angeboten worden. Sp\u00e4ter wurde der ehemalige Richter, Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks und des Rother-Verlags zum Referenten f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit im DAV berufen. Erst 1984 legte Grassler sein Amt nieder. Ein Jahr sp\u00e4ter fand die Erstauff\u00fchrung des Films <em>Shoah<\/em> von Claude Lanzmann statt, in dem auch ein ausf\u00fchrliches Interview mit Grassler zu sehen ist, der als Zeuge auf der Seite der T\u00e4ter befragt wurde.<a href=\"#_edn63\"><sup>[63]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2>Kontinuit\u00e4ten<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eWir wissen zu gut, da\u00df die J\u00fcngeren nur etwas erreichen k\u00f6nnen, wenn sie auf den Werken der \u00c4lteren aufbauen.\u201c<a href=\"#_edn64\"><sup>[64]<\/sup><\/a> Diese Worte von Albert Heizer, damals Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft, einer der beiden Vorg\u00e4ngerorganisationen des Deutschen Alpenvereins nach 1945, gaben die Denkrichtung des neu zu gr\u00fcndenden Vereins vor. Sie war nach wie vor beherrscht von der Idee eines Bergsteigens mit Elementen der Gefahrenverherrlichung, M\u00e4nnlichkeit, Kameradschaft und kulturkritischen bis kulturpessimistischen Perspektiven.<a href=\"#_edn65\"><sup>[65]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4rker noch als zuvor wurde in den Vereinsorganen und den Hauptversammlungen eine Verinnerlichung von Werten eingefordert, die die Bergsteigenden bei ihrer T\u00e4tigkeit erfahren und die ihre Pers\u00f6nlichkeit pr\u00e4gen w\u00fcrden. Diese Werte \u2013 oft als \u201eecht\u201c, \u201ewahr\u201c oder \u201etief\u201c beschrieben \u2013 galten weiterhin als \u201enicht in Worte fassbar\u201c. Sie kn\u00fcpften an die elit\u00e4re Gef\u00fchlsgemeinschaft der vorangegangenen Epochen an. Aus ihr leitete der Alpenverein eine sich selbst gegebene gesamtgesellschaftliche, zumeist als kulturell bezeichnete Aufgabe ab. F\u00fcr Alfred Jennewein, Alpenvereinsvorsitzender von 1950 bis 1958, war das Bergsteigen nach wie vor Mittel gegen eine \u201e\u00fcberall vorhandene Zersetzung\u201c <a href=\"#_edn66\"><sup>[66]<\/sup><\/a>, das die Menschheit vor ihrem Niedergang bewahren k\u00f6nne: \u201eIch bin der stolzen Auffassung, da\u00df diesen Kampf um das Menschentum in der Tiefe des Verteidigungsfeldes unser Deutscher Alpenverein f\u00fchren soll und zu f\u00fchren auch in der Lage ist.\u201c <a href=\"#_edn67\"><sup>[67]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Vorstand des Alpenvereins verlieh besonders der Zweite Vorsitzende Albert Heizer dieser Gef\u00fchlsgemeinschaft Ausdruck. So seien die Bergsteiger \u201edem Irrationalen verbunden\u201c <a href=\"#_edn68\"><sup>[68]<\/sup><\/a>, w\u00fcrden \u201eeiner unsagbaren Sehnsucht folgend hinausstreben aus der Flut des Materiellen hinauf in reine H\u00f6hen, in das Geheimnisvolle, [\u2026] zum G\u00f6ttlichen\u201c, &nbsp;um dort \u201ef\u00fcr etwas Ideales [zu ringen]\u201c. Aus dem Zusammenkommen von Bergsteigenden, die diese Empfindungen teilten, setzte sich Heizer zufolge eine \u201eechte Gemeinschaft\u201c<a href=\"#_edn69\"><sup>[69]<\/sup><\/a> zusammen. Auf diese Weise blieb die vorherige Volksgemeinschaftsideologie in der Nachkriegszeit erhalten, ohne dass offen deutschnationale Positionen noch eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielten.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich trug vor allem die Alpenvereinsjugend zu einem ver\u00e4nderten Selbstverst\u00e4ndnis des Vereins bei. Seit 1952 ist sie im <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dbjr.de\/?L=0\" >Bundesjugendring<\/a> organisiert, der von seinen Mitgliedsorganisationen politisches Engagement fordert. Zun\u00e4chst stand die Jugend dieser Bedingung skeptisch gegen\u00fcber, doch letztlich war sie es, die in den 1960er-Jahren erste Debatten \u00fcber eine Abkehr vom unpolitischen Vereinsverst\u00e4ndnis f\u00fchrte und die Forderung nach politischer Bet\u00e4tigung in den Hauptausschuss trug.<a href=\"#_edn70\"><sup>[70]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zusammen mit einem verst\u00e4rkten Engagement des Vereins in naturschutz- und umweltpolitischen Fragestellungen f\u00fchrte dies 1975 zu einer Satzungs\u00e4nderung. Die seit 1924 verfolgte Maxime \u201eDer Verein ist unpolitisch; die Er\u00f6rterung und Verfolgung politischer Angelegenheiten liegt au\u00dferhalb seiner Zust\u00e4ndigkeit\u201c<a href=\"#_edn71\"><sup>[71]<\/sup><\/a> wurde aufgegeben und das Engagement des DAV stattdessen mit \u201eDer Verein ist politisch und konfessionell ungebunden. Die Verfolgung politischer Ziele au\u00dferhalb des Vereinszweckes ist unstatthaft\u201c<a href=\"#_edn72\"><sup>[72]<\/sup><\/a> formuliert. Gerade an der Jugend lassen sich zudem bereits in den 1950er-Jahren erste Ans\u00e4tze von Vielfaltsdenken und eine Abkehr <a href=\"https:\/\/www.alpenverein.de\/geschichte\/blog\/wie-bergsteiger-zu-helden-wurden-und-was-der-dav-damit-zu-tun-hat\/\">von bisherigen, auf Gefahren- und Heldentum basierenden Bergsteigeridealen<\/a> erkennen.<a href=\"#_edn73\"><sup>[73]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"696\" src=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-1024x696.jpeg\" alt=\"Einweihung der Gedenkplakette Gegen Intoleranz und Hass auf dem Friesenberghaus, 13. Juli 2003\" class=\"wp-image-6854\" srcset=\"https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-1024x696.jpeg 1024w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-300x204.jpeg 300w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-768x522.jpeg 768w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-1536x1043.jpeg 1536w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-447x304.jpeg 447w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-894x607.jpeg 894w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-1341x911.jpeg 1341w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-680x462.jpeg 680w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-1360x924.jpeg 1360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-180x122.jpeg 180w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-360x245.jpeg 360w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-540x367.jpeg 540w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-214x145.jpeg 214w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-428x291.jpeg 428w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-642x436.jpeg 642w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein-1200x815.jpeg 1200w, https:\/\/services.alpenverein.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/7.-Einweihung-Gedenkstein.jpeg 1640w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 7: Einweihung der Gedenkplakette Gegen Intoleranz und Hass auf dem Friesenberghaus, 13. Juli 2003. Foto von Hans Ehrlich. Deutscher Alpenverein, Archiv, Bibliothek und Museum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Bewusstsein f\u00fcr den fr\u00fchen Antisemitismus im Verein, die Bet\u00e4tigung im und f\u00fcr den Nationalsozialismus sowie eine erste kritische Besch\u00e4ftigung damit l\u00e4sst sich dagegen erst gegen Ende der 1980er-Jahre wahrnehmen.<a href=\"#_edn74\"><sup>[74]<\/sup><\/a> Neben der gesellschaftlich zunehmend geforderten Auseinandersetzung d\u00fcrfte daf\u00fcr auch der Umstand verantwortlich sein, dass nun die Generation in die \u00c4mter kam, die die nationalsozialistische Zeit h\u00f6chstens noch als Kind miterlebt hatte. Ein Ergebnis daraus ist die Resolution \u201eGegen Intoleranz und Hass\u201c, die der Hauptausschuss des Deutschen Alpenvereins 2001 verabschiedete: \u201eDer Deutsche Alpenverein e. V. (DAV) bedauert \u2013 im R\u00fcckblick auf seine Geschichte \u2013 ausdr\u00fccklich die Vorg\u00e4nge im damaligen Deutschen und \u00d6sterreichischen Alpenverein (D. u. \u00d6. A. V.), die 1924 zum Ausschluss der Sektion \u201eDonauland\u201c und in dessen Folge zur Gr\u00fcndung des \u201eDeutschen Alpenvereins Berlin e. V.\u201c gef\u00fchrt haben. In jener Zeit hat der Alpenverein dem Druck von antisemitisch eingestellten Sektionen nachgegeben und sich nicht sch\u00fctzend vor seine j\u00fcdischen und die sie unterst\u00fctzenden nichtj\u00fcdischen Mitglieder gestellt. [\u2026]\u201c<a href=\"#_edn75\"><sup>[75]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sie war der Beginn einer intensiven Zusammenarbeit des DAV-Bundesverbands mit der israelitischen Kultusgemeinde M\u00fcnchen und einer Auseinandersetzung des Themas Antisemitismus durch den DAV, \u00d6AV und AVS sowie diverse Sektionen in ihren Regionen vor Ort. Heute engagiert sich der DAV f\u00fcr eine offene, vielf\u00e4ltige und tolerante Gesellschaft. Die Basis dazu ist das Bewusstsein f\u00fcr seine Geschichte und die Besch\u00e4ftigung mit ihr.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h3>Quellen:<\/h3>\n\n\n\n<ul><li><a name=\"_edn1\">[1]<\/a> Vgl. 55. Jahresbericht (Vereinsjahr 1924) der Alpenvereins-Sektion M\u00fcnchen (E. V.). O. O. o. J., 12f.; Schreiben an die Sektion M\u00fcnchen vom 23.1.1925 mit einer Liste derer, die ihren Austritt erkl\u00e4rten (Wiener Library, London, MF Doc 55). Vgl. zusammenfassend Achrainer, Martin\/Mail\u00e4nder, Nicholas: Der Verein, in: DAV\/\u00d6AV\/AVS (Hg.): Berg Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918\u20131945. K\u00f6ln u. a. 2011, S. 193-318, S. 246f.<\/li><li><a name=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. Postert, Andr\u00e9\/Kruse, Reinhold: \u201aWer Mitglied werden will, mu\u00df arischer Abstammung sein.\u2018 Der Antisemitismus in der Sektion Rheinland-K\u00f6ln des Alpenvereins, o. O. o. J., S. 9.<\/li><li><a name=\"_edn3\">[3]<\/a> Vgl. DAV Sektion Hamburg und Niederelbe (Hg.): Zur Entwicklung der Sektion Hamburg und Niederelbe des Deutschen Alpenvereins e. V., insbesondere der Umgang mit ihren j\u00fcdischen Mitgliedern. Hamburg 2015, S. 40\u201348; Berlin: Vgl. zusammenfassend Achrainer\/Mail\u00e4nder 2011, S. 247f.<\/li><li><a name=\"_edn4\">[4]<\/a> Trautwein, Theodor: Zum Anfang, in: Zeitschrift DAV, Bd. 1, 1870, S. I.<\/li><li><a name=\"_edn5\">[5]<\/a> Vgl. Zeitschrift DAV, Bd. 1 (Abt. 2), 1870, S. 48.<\/li><li><a name=\"_edn6\">[6]<\/a> Vgl. Brenner, Michael: Zwischen Revolution und rechtlicher Gleichstellung, in: Brenner, Michael\/Jersch-Wenzel, Stefi\/Meyer, Michael A.: Deutsch-j\u00fcdische Geschichte in der Neuzeit, Bd. II: Emanzipation und Akkulturation 1780\u20131871. M\u00fcnchen 1996, S. 287\u2013325.<\/li><li><a name=\"_edn7\">[7]<\/a> Vgl. Pulzer, Peter: Die Wiederkehr des alten Hasses, in: Lowenstein, Steven M.\/ Mendes-Flohr, Paul\/Pulzer, Peter\/Richarz, Monika: Deutsch-j\u00fcdische Geschichte in der Neuzeit, Bd. III: Umstrittene Integration 1871\u20131918. M\u00fcnchen 1997, S. 193\u2013248.<\/li><li><a name=\"_edn8\">[8]<\/a> Vgl. Achrainer\/Mail\u00e4nder 2011, S. 226f.<\/li><li><a name=\"_edn9\">[9]<\/a> Vgl. ebd., S. 218f.<\/li><li><a name=\"_edn10\">[10]<\/a> 20. Sitzung des Hauptausschusses des D. u. \u00d6. Alpenvereins am 8. u. 10. Oktober 1919 in N\u00fcrnberg (Kulturverein), S. 14.<\/li><li><a name=\"_edn11\">[11]<\/a> Vgl. 24. Sitzung des Hauptausschusses des D. u. \u00d6. Alpenvereins am 12. Mai 1921 in M\u00fcnchen (Museum), S. 11.<\/li><li><a name=\"_edn12\">[12]<\/a> Vgl. Achrainer\/Mail\u00e4nder 2011, S. 227f.<\/li><li><a name=\"_edn13\">[13]<\/a> Vgl. ebd., S. 228\u2013231.<\/li><li><a name=\"_edn14\">[14]<\/a> Vgl. ebd., S. 231\u2013241.<\/li><li><a name=\"_edn15\">[15]<\/a> Anonym, Der arische Alpenverein, in: Das J\u00fcdische Echo, Nr. 30, 25.7.1924.<\/li><li><a name=\"_edn16\">[16]<\/a> Vgl. Achrainer\/Mail\u00e4nder 2011, S. 248f.; s. a. Donauland-Nachrichten, Januar-Oktober 1925; Nachrichten des Alpenvereins Donauland und des Alpenvereins Berlin, November 1925 \u2013 Dezember 1933; Berg und Ski. Zeitschrift des Alpenvereins Donauland, 1934\u20131938.<\/li><li><a name=\"_edn17\">[17]<\/a> Vgl. Postert\/Kruse o. J., S. 12.; DAV Sektion Hamburg und Niederelbe 2015, S. 47.<\/li><li><a name=\"_edn18\">[18]<\/a> Bergmann, Georg Franz: Vom Wesen des Alpinismus und von j\u00fcdischen Bergsteigern, in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung, H. 6, 1.4.1928.<\/li><li><a name=\"_edn19\">[19]<\/a> So beispielsweise die Sektion N\u00fcrnberg: vgl. Niebler, Wenzeslaus: Bericht des 1. Schriftf\u00fchrers, in: Mitteilungen der Sektion N\u00fcrnberg 3\/1934, S. 10\u201320, hier S. 10; Aus der Geschichte unserer Sektion, in: Mitteilungen der Sektion N\u00fcrnberg 13\/1939\/1940, S. 6\u201314, hier S. 9.<\/li><li><a name=\"_edn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><sup> <\/sup>Vgl. Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1866\u20131918, Bd. 1: Arbeitswelt und B\u00fcrgergeist. M\u00fcnchen 2013, S. 185.<\/li><li><a name=\"_edn21\">[21]<\/a> Vgl. Hettling, Manfred\/Hoffmann, Stefan-Ludwig: Einleitung: zur Historisierung b\u00fcrgerlicher Werte, in: Hettling, Manfred\/Hoffmann, Stefan-Ludwig (Hg.): Der b\u00fcrgerliche Wertehimmel. Innenansichten des 19. Jahrhunderts. G\u00f6ttingen 2000, S. 7\u201322, hier S. 9\u201315; Hettling, Manfred: Die pers\u00f6nliche Selbst\u00e4ndigkeit. Der archimedische Punkt b\u00fcrgerlicher Lebensf\u00fchrung, in: ebd., S. 57\u201378, hier S. 74\u201377; Kessel, Martina: \u201aDer Ehrgeiz setzte mir heute wieder zu.\u2018 Geduld und Ungeduld im 19. Jahrhundert, in: ebd., S. 129\u2013148, hier S. 131\u2013133; Lammer, Eugen Guido: Jungborn. Bergfahrten und H\u00f6hengedanken eines einsamen Pfadsuchers, M\u00fcnchen <sup>2<\/sup>1923, S. 156; Nipperdey 2013, S. 183 u. 819; siehe auch Wagner, Max: Naturvorstellungen, in: DAV (Hg.): Darum Berge. Begleitpublikation zur neuen Dauerausstellung des Alpinen Museums. M\u00fcnchen 2024, 94-105 [genaue Seitenangabe bei Abgabe noch unklar].<\/li><li><a name=\"_edn22\">[22]<\/a> Purtscheller, Ludwig: Zur Entwicklungsgeschichte des Alpinismus und der alpinen Technik in den Oesterreichischen Alpen, in: Zeitschrift des DuOeAV 1894, S. 95\u2013176, hier S. 176.<\/li><li><a name=\"_edn23\">[23]<\/a> Nieberl, Franz: Das Klettern im Fels, M\u00fcnchen <sup>2<\/sup>1911, S. 1; hier auch die weiteren als Zitate ausgewiesenen Begriffe in diesem Satz.<\/li><li><a name=\"_edn24\">[24]<\/a> Langer, Phil C.: \u201aEin langer und manchmal auch steiniger Weg\u2018. Der Deutsche Alpenverein im gesellschaftlichen Wandel: Kontinuit\u00e4ten und Br\u00fcche nach 1945, in: DAV (Hg.): Aufw\u00e4rts! Berge, Begeisterung und der Deutsche Alpenverein 1945 bis 2007. M\u00fcnchen 2007, S. 68\u201375, hier S. 72.<\/li><li><a name=\"_edn25\">[25]<\/a> Vgl. G\u00fcnther, Dagmar: Alpine Querg\u00e4nge. Kulturgeschichte des b\u00fcrgerlichen Alpinismus (1870\u20131930). Frankfurt am Main 1998, S. 18\u201320; Geulen, Christian: \u201aCenter Parcs\u2018. Zur b\u00fcrgerlichen Einrichtung nat\u00fcrlicher R\u00e4ume, in: Hettling\/Hoffmann 2000, S. 257\u2013282, hier S. 260; Nipperdey 2013, S. 260, 825\u2013829 u. 832f.; Peukert, Detlef: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der klassischen Moderne. Frankfurt am Main <sup>14<\/sup>2016, S. 186\u2013189; Schauer, Alexandra: Mensch ohne Welt. Eine Soziologie sp\u00e4tmoderner Vergesellschaftung. Berlin 2023, S. 554 u. 559; siehe auch Wagner 2024, 98-100 [genaue Seitenangabe bei Abgabe noch unklar].<\/li><li><a name=\"_edn26\">[26]<\/a> Nipperdey 2013, S. 812.<\/li><li><a name=\"_edn27\">[27]<\/a> Vgl. Hettling\/Hoffmann 2000, S. 9\u201313; Hettling 2000, S. 65; Nipperdey 2013, S. 384\u2013389, 814 u. 817f.<\/li><li><a name=\"_edn28\">[28]<\/a> Vgl. Hettling 2000, S. 65; Kessel 2000, S. 131\u2013133; Nipperdey 2013, S. 166, 188, 814f.; Schauer 2023, S. 556f.; Wagner 2024, 98-103 [genaue Seitenangabe bei Abgabe noch unklar].<\/li><li><a name=\"_edn29\">[29]<\/a> Scheit, Gerhard: Verborgener Staat, lebendiges Geld. Zur Dramaturgie des Antisemitismus. Freiburg 1999, S. 51, auch zit. bei Schauer 2023, S. 506f.<\/li><li><a name=\"_edn30\">[30]<\/a> Schauer 2023, S. 506.<\/li><li><a name=\"_edn31\">[31]<\/a> Ebd., S. 508.<\/li><li><a name=\"_edn32\">[32]<\/a> Vgl. Nipperdey 2013, S. 814; Schauer 2023, S. 503\u2013508.<\/li><li><a name=\"_edn33\">[33]<\/a> Diese Kontrastierung zeigt sich besonders eindr\u00fccklich in Gustav M\u00fcllers Rede auf einer Kundgebung gegen die Erschlie\u00dfung der Zugspitze mit Bergbahnen 1925: Gegen Bergbahnen \u2013 gegen die Zugspitzbahn, in: Mitteilungen des DuOeAV 1925, S. 104\u2013108, hier S. 105\u2013107.<\/li><li><a name=\"_edn34\">[34]<\/a> Vgl. Peukert 2016, S. 159\u2013189; Schauer 2023, S. 399\u2013406.<\/li><li><a name=\"_edn35\">[35]<\/a> Vgl. daf\u00fcr bspw. Enzensperger, Ernst: Aus alpiner Jugendarbeit, in: Zeitschrift des DuOeAV 1925, S. 75\u201389.<\/li><li><a name=\"_edn36\">[36]<\/a> Verhandlungsschrift der 50. Hauptversammlung des D. u. Oe. Alpenvereins zu Rosenheim am 20. Juli 1924, S. 8.<\/li><li><a name=\"_edn37\">[37]<\/a> Verhandlungsschrift der 45. Hauptversammlung des DuOeAV zu N\u00fcrnberg am 10. und 11. Oktober 1919, S. 21.<\/li><li><a name=\"_edn38\">[38]<\/a> M\u00fcller, Gustav: Die Berge und ihre Bedeutung f\u00fcr den Wiederaufbau des deutschen Volkes, in: Zeitschrift des DuOeAV 1922, S. 1\u20139.<\/li><li><a name=\"_edn39\">[39]<\/a> Verhandlungsschrift der 45. Hauptversammlung des D. u. \u00d6. Alpenvereins zu N\u00fcrnberg am 10. und 11. Oktober 1919, S. 23.<\/li><li><a name=\"_edn40\">[40]<\/a> Vgl. bspw. die Debatte um die Einf\u00fchrung der sogenannten T\u00f6lzer Richtlinien 1923: Verhandlungsschrift der 49. Hauptversammlung des D. u. \u00d6. Alpenvereins zu Bad T\u00f6lz am 9. September 1923, S. 28\u201334.<\/li><li><a name=\"_edn41\">[41]<\/a> Satzung des Deutschen und Oesterr. Alpenvereins (1927), S. 2.<\/li><li><a name=\"_edn42\">[42]<\/a> Ebd.<\/li><li><a name=\"_edn43\">[43]<\/a> Bspw. Birkner, Ferdinand: Die Rassenzugeh\u00f6rigkeit der Alpenbev\u00f6lkerung, in: Mitteilungen des DuOeAV 1925, 21f., 22; vgl. auch die Rede von M\u00fcller 1924, der diese Perspektive zu Grunde liegt: Bergbahnen \u2013 gegen die Zugspitzbahn 1925, S. 101\u2013108.<\/li><li><a name=\"_edn44\">[44]<\/a> Ebd., S. 107.<\/li><li><a name=\"_edn45\">[45]<\/a> Schauer 2023, S. 508. Auch das ist in der Rede M\u00fcllers auf der Kundgebung 1924 herauslesbar: Bergbahnen \u2013 gegen die Zugspitzbahn 1925, S. 101\u2013108.<\/li><li><a name=\"_edn46\">[46]<\/a> Im Alpenverein: Verhandlungsschrift der 49. Hauptversammlung des D. u. \u00d6. Alpenvereins zu Bad T\u00f6lz am 9. September 1923, S. 13.<\/li><li><a name=\"_edn47\">[47]<\/a> Verhandlungsschrift der au\u00dferordentlichen Hauptversammlung des D. u. Oe. Alpevereins zu M\u00fcnchen am 14. Dezember 1924, in: Mitteilungen DuOeAV 1925, S. 13\u201320, hier S. 13f. u. 18.<\/li><li><a name=\"_edn48\">[48]<\/a> Ebd., S. 14.<\/li><li><a name=\"_edn49\">[49]<\/a> Verhandlungsschrift der 50. Hauptversammlung des D. u. Oe. Alpenvereins zu Rosenheim am 20. Juli 1924, S. 8.<\/li><li><a name=\"_edn50\">[50]<\/a> Vgl. bspw. Verhandlungsschrift der 47. Hauptversammlung des D. u. \u00d6. Alpenvereins zu Augsburg am 15. August 1921, S. 6 und vor allem Verhandlungsschrift der 49. Hauptversammlung S. 13f. u. 21.<\/li><li><a name=\"_edn51\">[51]<\/a> Verhandlungsschrift der au\u00dferordentlichen Hauptversammlung des D. u. Oe. Alpenvereins zu M\u00fcnchen am 14. Dezember 1924, S. 17.<\/li><li><a name=\"_edn52\">[52]<\/a> Ebd.<\/li><li><a name=\"_edn53\">[53]<\/a> Vgl. ebd.<\/li><li><a name=\"_edn54\">[54]<\/a> Vgl. Achrainer\/Mail\u00e4nder 2011, S. 275; z. B. K\u00f6ln: Postert\/Kruse o. J., S. 14; z. B. DAV Sektion Hamburg und Niederelbe 2015, S. 50f..<\/li><li><a name=\"_edn55\">[55]<\/a> Vgl. Kluge, Friedrich: Zur Geschichte der Sektion Freiburg im Breisgau des Deutschen Alpenvereins in den Jahren 1933\u20131945, o. O. 2007, S. 33\u201336.<\/li><li><a name=\"_edn56\">[56]<\/a> Vgl. Skorka, Andreas: Dr. Otto He\u00df: Ein j\u00fcdischer Bergsteiger in unserer Sektion, 2012, in: https:\/\/www.dav-kassel.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Dr.-Otto-Hess-Aufsatz.pdf (12.12.2023).<\/li><li><a name=\"_edn57\">[57]<\/a> Vgl. B\u00fchler, Oskar: Oskar K\u00fchlken \ua749, in: Mitteilungen der Sektion N\u00fcrnberg 3\/1982, S. 38; Wagner, Max: \u201eMit Berg-Heil und Heil Hitler\u201c. Die Sektion N\u00fcrnberg und der Nationalsozialismus, o. O. 2019, S. 12.<\/li><li><a name=\"_edn58\">[58]<\/a> Vgl. Achrainer\/Mail\u00e4nder 2011, S. 292\u2013302.<\/li><li><a name=\"_edn59\">[59]<\/a> Vgl. Kaiser, Friederike\/Kleidt, Stephanie\/Ritter, Stefan\/Wagner, Max: Kontinuit\u00e4ten. Der Deutsche Alpenverein nach 1945, in: Deutscher Alpenverein (Hg.), Die Berge und wir. 150 Jahre Deutscher Alpenverein. M\u00fcnchen u. a. 2019, S. 180\u2013189, hier S. 187.<\/li><li><a name=\"_edn60\">[60]<\/a> Deutscher Alpenverein (D. A. V.): Satzung. Einstimmig genehmigt in der Hauptversammlung in W\u00fcrzburg am 22. Oktober 1950, S. 2.<\/li><li><a name=\"_edn61\">[61]<\/a> Protokoll Verwaltungsausschuss, 25. Sitzung am 28.11.1952, S. 2f. (Archiv DAV).<\/li><li><a name=\"_edn62\">[62]<\/a> Vgl. Welsch, Walter: Geschichte der Sektion Bayerland des Deutschen Alpenvereins e. V.. Die \u00c4ra Fritz Schmitt 1945\u20131953. M\u00fcnchen 2008, S. 33.<\/li><li><a name=\"_edn63\">[63]<\/a> Vgl. Kaiser\/Kleidt\/Ritter\/Wagner 2019, S. 187.<\/li><li><a name=\"_edn64\">[64]<\/a> Mitteilungen der Landesarbeitsgemeinschaft der alpinen Vereine in Bayern 1948, S. 28.<\/li><li><a name=\"_edn65\">[65]<\/a> Vgl. Kaiser\/Kleidt\/Ritter\/Wagner 2019, S. 187\u2013189.<\/li><li><a name=\"_edn66\">[66]<\/a> Jennewein, Alfred: Mensch und Berg. Gedanken aus der Festrede von Alfred Jennewein auf der Hauptversammlung, in: Mitteilungen DAV 1952, S. 148\u2013151, hier S. 149.<\/li><li><a name=\"_edn67\">[67]<\/a> Ebd., S. 151.<\/li><li><a name=\"_edn68\">[68]<\/a> Vgl. Heizer, Albert: \u201aWir wollen die Idee des Alpenvereins immer reinhalten\u2018. T\u00e4tigkeitsbericht und Ansprache von Dr. Albert Heizer, in: Mitteilungen des DAV 1952, S. 151\u2013153, hier S. 151f.; dort auch die folgenden Zitate in diesem Satz.<\/li><li><a name=\"_edn69\">[69]<\/a> Ebd.<\/li><li><a name=\"_edn70\">[70]<\/a> Hier und im Folgenden zur Jugend vgl. Kaiser\/Kleidt\/Ritter\/Wagner 2019, S. 190.<\/li><li><a name=\"_edn71\">[71]<\/a> Satzung des Deutschen Alpenvereins. 1975, S. 1.<\/li><li><a name=\"_edn72\">[72]<\/a> Ebd.<\/li><li><a name=\"_edn73\">[73]<\/a> Vgl. L\u00e4nger, Horst: \u201aWenn ihr uns so nehmt wie wir sind\u2018. Aspekte der Alpenvereinsjugend seit 1945, in: DAV 2007, S. 242\u2013251, hier S. 242f.; Kaiser\/Kleidt\/Ritter\/Wagner 2019, S. 190.<\/li><li><a name=\"_edn74\">[74]<\/a> Vgl. Pollack, Rainer: Gegen Intoleranz und Hass. Die Auseinandersetzung des Deutschen Alpenvereins mit dem dunkelsten Teil seiner Geschichte, in: DAV 2007, S. 62\u201367.<\/li><li><a name=\"_edn75\">[75]<\/a> Protokoll der 130. Sitzung des HA d. DAV v. 16.\u201318.3.2001 (Archiv DAV).<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text: Friederike Kaiser, Max Wagner Im Januar 1925 erhielt die Alpenvereinssektion M\u00fcnchen ein Schreiben, in dem 83 M\u00fcnchner*innen ihren Austritt erkl\u00e4rten. Darunter befanden sich so prominente Personen wie Dr. Leo Baerwald, Rabbiner der M\u00fcnchner Hauptsynagoge, und mehrere Mitglieder der Familie Feuchtwanger. 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